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Schulzeit

Meine Realschullaufbahn war wenig erfolgreich, da ich zu viele emotionale Themen mit meiner Familie hatte, die mich blockierten. Schon in der Grundschule war ich abwesend, zwar kreativ, aber eigenbrötlerisch. Begleitend hatte ich stets psychologische Hilfe, aber da sich das Setting in meiner Kindheit nicht veränderte, konnte auch ich das noch nicht. Ein Fernabitur wurde sehr schnell abgebrochen und eine Ausbildung zum Erzieher wirkte mir auch nicht das Rechte. Ich hörte einfach viel zu sehr auf Empfehlungen anderer, statt meinem Herzen zu folgen. Während ich die ersten Jahre zurückgezogen lebte, da sich Verlustängste nach der Trennung meiner Eltern manifestierten, war ich bis zu meinem sechzehnten Lebensjahr in der Realschule sehr auffällig. Für isolierte pubertäre Jugendliche gibt es eben keine negative Aufmerksamkeit. Auf den Berufsschulen polierte ich den Realabschluss noch einmal auf und war umgänglicher, spielte aber dennoch oft den Klassen-Clown. Nach der Schule widmete ich mich keiner Hausarbeit, sondern flüchtete sofort in Rollenspiel-Welten am PC.

 

Berufspraktische Erfahrungen konnte ich im Einzelhandel, in einer Landschaftsgärtnerei und dem Bankgewerbe erlangen. Für mich war dies wenig aktivierend, aber ich erinnere mich, zumindest im Buchhandel ambitioniert gewesen zu sein. Manchmal überschritt ich meine Kompetenzen zu sehr, wenn es nach den zurückhaltenden Aufsichtspersonen ging. Ich wollte mich einfach beweisen. Weitere Erfahrungen in Buchhandel und Büro waren nicht unangenehm, aber ebenfalls gefühlt nicht mein Weg. Auf den Berufsschulen waren Verwaltung, Wirtschaft, Pädagogik und Informatik die Schwerpunkte. Nebenbei lernte ich Yoga und Japanisch. Die damaligen Praktika boten mir interessante Einblicke, aber die emotionalen Probleme blockierten fachliche Erfahrungen und so kam ich lange nicht dazu zu erkennen, was mir wirklich liegen könnte.

 

Was stets auffiel war, dass ich mich nie an Regeln um der Regeln wegen hielt, sondern ständig hinterfragte und Grenzen erprobte. Meine Kollegen schätzten meine Arbeitsqualität, Zuverlässigkeit, Effizienz, Rhetorik, Technikverständnis und Auffassungsgabe. Allerdings brauchte ich immer eigene Rahmen, Geschwindigkeiten und die Freiheit, auch mal ein paar Minuten später zu kommen, andernfalls funktionierte keine meiner zahlreichen Berührungen mit dem Arbeitsmarkt. Wenn man mir meine Freiheiten nicht ließ, dann arbeitete ich absichtlich langsamer oder ging immer für eine halbe Stunde aufs Klo. Damit wollte ich aufzeigen, dass eine gut erledigte Arbeit nicht in genau acht Stunden vollbracht sein muss, sondern dass jeder eine eigene Geschwindigkeit an den Tag legt. Ich sprach allerdings nie direkt an, was mich störte, und diese fehlende Konfliktfähigkeit war noch jahrelang ein Thema für mich. Sicher ein Päckchen, welches ich von den ernsten Gesprächen aus meiner Familie mitnahm. In meinen Praktika war ich die ersten Male nur Beobachter, kein wirklich guter Mitarbeiter. Doch die jüngeren Erfahrungen im Buchhandel und als Tontechniker waren erquicklich.

 

Schließlich testete ich einen Monat lang objektorientierte Programmierung und schnupperte im Sommer 2016 in eine informatische Ausbildung. Ich erkannte, dass dieser Beruf für mich erstmals nicht nach gewisser Zeit an Biss verlor. Ich behielt diesen Weg also im Fokus. Allerdings war ich meist nicht ausgeschlafen, da ich oft bis spät in die Nacht wach blieb. Das war meine Gewohnheit. Damals in meiner Kindheit konnte mich nachts niemand rufen, nachts hatte ich also frei. Auch bei Oma war es so, dass sie nachts schlief und keine Hilfe benötigte. Nachts war meine Zeit und das blieb bestehen, denn nachts blinkt auch kein Chat auf. Der PC war während meiner Kindheit mein Tor zu einer Kompensation meines sozialen Umfeldes, also baute ich eine emotionale Abhängigkeit zu diesem Gerät auf, als wäre es ein enges Familienmitglied. Doch war weniger die Hardware der Suchtfaktor, mehr die Zerstreuung und der erfahrener Zuspruch. Aber wehe einer kritischen Stimme. Eine solche hatte ich stets gern rhetorisch auseinander genommen. Das Opfer wechselte zum Täter und blieb in den gewohnten Strukturen. Das ist mir heute klar.